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Ergebnisse der Risikomanagement-Studie 2025

Risikoprognose

Unternehmen schätzen ihre Krisenfestigkeit hoch ein, zeigen jedoch deutliche Defizite bei Daten, Strukturen und regulatorischer Vorbereitung.

  • Österreichische Unternehmen schätzen ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krisen als hoch ein, vernachlässigen aber die Messung tatsächlicher Resilienz
  • Knapp die Hälfte der Unternehmen klagt über unzureichende Datenverfügbarkeit für effektive Risikosteuerung
  • Mehrheit der Unternehmen noch unvorbereitet auf kommende regulatorische Anforderungen (AI-Act)

Risikomanagement zwischen Selbstbild und Realität

Unternehmen in Österreich sehen sich in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, technologischer Umbrüche und zunehmender Regulierungen als widerstandsfähig – gleichzeitig zeigt sich aber, dass wichtige Hebel wie Datenverfügbarkeit, Agilität und die strategische Einbindung von Risikomanagement oft noch nicht voll ausgeschöpft werden.

Das ist das zentrale Ergebnis einer gemeinsamen Umfrage von EY Österreich, CRIF und Business Circle, an der Vertreter:innen von 55 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen teilgenommen haben.

„In einer Welt, die sich rasch ändert, braucht es mehr als punktuelle Krisenreaktionen. Risikomanagement muss heute ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sein – und Daten bilden dabei das Fundament“, betont Markus Hölzl, Partner bei EY Österreich.

Strukturelle Defizite und ungenutzte Chancen im Risikomanagement

Laut Analyse schätzen fast neun von zehn Unternehmen (87,3 % der Unternehmen) ihre Organisation als stark oder sehr stark widerstandsfähig gegenüber Krisen ein.

Doch der kritische Blick offenbart Schwächen: 38,2 Prozent der Unternehmen messen ihre Resilienz nicht.

„Diese Lücke zwischen Selbstbild und Realität ist riskant. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, wie wichtig es ist, Resilienz nicht nur zu behaupten, sondern messbar zu machen und kontinuierlich weiterzuentwickeln“, sagt Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von CRIF Österreich.

Mehr als ein Fünftel der Unternehmen (21,8 % der Unternehmen) hat keine eigene Risikomanagement-Abteilung oder -funktion.

Bei knapp der Hälfte (47,3 % der Unternehmen) ist weniger als eine Vollzeitkraft dafür zuständig.

30 Prozent der Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden geben auch an, dass sie keine Ressourcen für Risikomanagement bereitstellen.

Krisenlandschaft: Aktuelle Risiken und künftige Gefahren im Fokus

Die Unternehmen sehen aktuell vor allem Marktrisiken (69,1 % der Unternehmen) als größte Herausforderung, gefolgt von Technologierisiken (45,5 % der Unternehmen), Finanzrisiken (43,6 % der Unternehmen) und geopolitischen Risiken (40,0 % der Unternehmen).

Auch Personalrisiken (29,1 % der Unternehmen) gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Für die kommenden Jahre erwarten die Unternehmen einen Anstieg bei geopolitischen Risiken (47,3 % der Unternehmen) und Personalrisiken (45,5 % der Unternehmen), während Marktrisiken (56,4 % der Unternehmen) und Technologie-/Cyberrisiken (41,8 % der Unternehmen) weiterhin auf hohem Niveau bleiben.

Gerhard Pichler, Geschäftsführer des Business Circle, dazu: „Diese Einschätzungen verdeutlichen, dass Unternehmen immer stärker vernetzte und globale Zusammenhänge im Blick behalten müssen, um langfristig erfolgreich zu bleiben.“

Selbstbild oft stark, Datenmangel hemmt die Umsetzung

Die Studie zeigt: 70,9 Prozent der Unternehmen schätzen ihre Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen als agil oder sehr agil ein.

Dennoch überwacht etwa ein Drittel (34,5 % der Unternehmen) externe Entwicklungen zur Ableitung akuten Handlungsbedarfs nur schwach.

Positiv ist jedoch, dass 78,2 Prozent der Unternehmen Erkenntnisse aus vergangenen Krisen zumindest teilweise in die Strategie einfließen lassen.

Ein zentrales Hindernis für proaktives Risikomanagement bleibt der Mangel an Daten. 45,5 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihnen die notwendigen Informationen für eine aktive und agile Steuerung nicht zur Verfügung stehen.

Nur 14,5 Prozent der Unternehmen haben vollständigen Zugriff auf Echtzeitdaten, während 45,5 Prozent der Unternehmen kaum oder gar keine Echtzeitinformationen nutzen können.

Die Studie zeigt deutlich, dass Unternehmen vor allem in der konsequenten Nutzung von Daten und Technologien noch aufholen müssen, um Risiken wirklich als Chancen zu verstehen.

Wer heute datengetrieben arbeitet, kann nicht nur schneller und präziser reagieren, sondern auch Wettbewerbsvorteile schaffen.

Geplante Technologieinvestitionen stärken künftige Agilität

Österreichische Unternehmen planen verstärkt, in moderne Technologien zu investieren, um ihr Risikomanagement agiler und datengetriebener zu gestalten.

Laut Studie wollen 43,6 Prozent der Unternehmen künftig verstärkt Datenanalyse-Tools einsetzen, um Risiken präziser identifizieren und steuern zu können.

Zudem plant etwa ein Drittel (32,7 % der Unternehmen) die Nutzung von Automatisierungslösungen, beispielsweise Robotic Process Automation (RPA), um Prozesse effizienter zu gestalten und schneller auf Krisenszenarien reagieren zu können.

Dies zeigt, dass die Bedeutung digitaler Tools zunehmend erkannt wird, jedoch die tatsächliche Umsetzung und Integration in bestehende Risikomanagement-Systeme noch deutlich verbessert werden muss.

„Datengetriebenes Risikomanagement schafft nicht nur Transparenz, sondern ermöglicht auch proaktive Entscheidungen, die Unternehmen resilienter machen“, so Eisner-Schwarz.

Pichler ergänzt: „Unsere Umfrage zeigt klar, dass Unternehmen ihre Widerstandskraft gegenüber Krisen objektiv messen und kontinuierlich verbessern müssen, um langfristig erfolgreich zu sein.“

Technologielücke: Kaum Vorbereitung auf AI-Act

Zwar setzen bereits 36,4 Prozent der Unternehmen Technologien wie KI oder Automatisierung im Risikomanagement ein, gleichzeitig aber ist die Vorbereitung auf die neue EU-Verordnung (AI-Act) erschreckend gering:

Fast zwei Drittel (63,6 % der durch den AI-Act betroffenen Unternehmen) haben bisher kaum oder keine Maßnahmen gesetzt, 27,3 Prozent der Unternehmen sind sich der Anforderungen noch nicht oder nur wenig bewusst.

Nur 13,7 Prozent der Unternehmen bewerten ihr Wissen über die Anforderungen des AI-Acts als sehr hoch.

„Der Anpassungsbedarf wird unterschätzt. Unternehmen müssen schnell handeln, um regulatorische Anforderungen nicht nur zu erfüllen, sondern auch als Innovationschance zu nutzen“, ergänzt Hölzl abschließend.

 

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