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Risikomanagement in österreichischen Unternehmen: Noch viel Luft nach oben

Risikoprognose

Risikomanagement wird in vielen Unternehmen weiterhin unterschätzt – trotz steigender Krisenanfälligkeit und wachsender Komplexität.

Risikomanagement 2024: Ergebnisse einer aktuellen Studie

  • Wichtigkeit von Risikomanagement noch immer unterschätzt: Ein Viertel der befragten Unternehmen hat keine Risikomanagement-Abteilung oder -Funktion
  • Über 90 Prozent der Unternehmen sehen sich als krisenresilient, ein Drittel hält Beitrag des Risikomanagement für sehr schwach
  • Bei mehr als einem Viertel der Unternehmen werden Chancen im Risikomanagement aktuell nur wenig genutzt (28%)
  • Fehlende Datenbasis: 28 Prozent empfinden die aktuell vorhandenen Daten für das Risikomanagement als wenig bzw. nicht ausreichend
  • Nur vier von zehn Befragte nutzen Daten für ihr Risikomanagement, wenn sie verfügbar sind – Daten zu Umwelt und Nachhaltigkeit als Schlusslicht

Wien, 25. Juli 2024

Die zunehmende Vernetzung und Komplexität unserer Welt bringt wachsende Herausforderungen mit sich und macht unsere Gesellschaft anfälliger für Krisen. Technologischer Fortschritt, Klimawandel, politische Instabilität und Bevölkerungswachstum tragen dazu bei, dass Krisen wahrscheinlicher und deren Auswirkungen schwerwiegender werden.

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, diese vielfältigen und oft miteinander verknüpften Risiken zu bewältigen. Dabei kommt dem Risikomanagement eine zentrale Rolle zu. Effektive Risikomanagement-Strategien sind essenziell, um Unternehmen widerstandsfähiger zu machen und ihnen zu ermöglichen, in einer unsicheren Wirtschaftswelt stabil zu bleiben.

Trotzdem wird die Bedeutung des Risikomanagements weiterhin nicht ausreichend erkannt: Obwohl mittlerweile 75 Prozent der Unternehmen eine entsprechende Abteilung oder Funktion haben, fehlt diese Struktur noch immer bei einem Viertel der Befragten. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies sogar einen Rückgang um fünf Prozentpunkte (2023: 80 %).

Markus Hölzl, Leiter des Risk Management Consulting Teams und Partner bei EY Österreich, ergänzt:

„Die dynamischen Veränderungen in unserer vernetzten Welt erfordern von Unternehmen ein Höchstmaß an Anpassungsfähigkeit und Weitsicht. Neben traditionellen Risiken müssen wir uns auch neuen Bedrohungen stellen, die durch technologische Entwicklungen, den Klimawandel und geopolitische Unsicherheiten entstehen. Risikomanagement darf nicht länger als nachrangige Aufgabe betrachtet werden. Es ist ein integraler Bestandteil der Unternehmenssteuerung, der proaktiv und umfassend angegangen werden muss, um langfristige Stabilität und Erfolg sicherzustellen. Unternehmen, die in diesem Bereich nicht konsequent handeln, riskieren erhebliche Nachteile in einer zunehmend volatilen Wirtschaftsumgebung.“

Das sind Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage von EY Österreich, Business Circle und CRIF. Dafür wurden 64 Unternehmensvertreter:innen unterschiedlicher Branchen sowie Größen in Österreich befragt.

Risikomanagement im Aufwind: Mehr Vollzeitstellen als im Vorjahr

Positiv festzuhalten ist, dass immerhin knapp vier von zehn befragten Unternehmen (37,5 %) bis zu drei Vollzeitmitarbeitende für Risikomanagement beschäftigen – im letzten Jahr waren es nur 25,8 Prozent. 18,8 Prozent verfügen sogar über mehr als drei Vollzeitstellen.

Dennoch widmet sich immer noch bei knapp der Hälfte der Unternehmen (43,8 %) weniger als eine Vollzeitstelle dem Thema Risikomanagement und bei 17,2 Prozent ist die Funktion des/der Risikomanagers:in aktuell noch nicht etabliert.

Krisenmanagement: Unternehmen nutzen Risikomanagement nicht ausreichend

Obwohl Unternehmen die Bedeutung von Flexibilität erkannt haben, mangelt es oft noch an der praktischen Umsetzung agiler Methoden. Zwar schätzen 82,6 Prozent der Unternehmen ihre Fähigkeit zur schnellen Reaktion als agil ein, gleichzeitig berichten 40,2 Prozent, dass Agilität im Risikomanagement nur schwach ausgeprägt ist.

Nahezu alle Unternehmen (92,2 %) schätzen ihre Organisation als widerstandsfähig ein, doch 34,4 Prozent sehen den Beitrag des Risikomanagements als ausbaufähig.

Roland Otto, Sales Director Corporate Industry bei CRIF Austria, erklärt:

„Risikomanagement ist für jedes Unternehmen essenziell, besonders in so dynamischen Zeiten wie unsere. Und mit der richtigen Technologie haben Unternehmen einen sehr niederschwelligen Zugang zu den Daten und dem Wissen, das sie dafür benötigen. Als führendes Unternehmen für solche datenbasierte Technologie unterstützt CRIF Unternehmen von allen Größen dabei, ihr Risikomanagement auf die Zukunft auszurichten und die Geschäftspotenziale darin zu realisieren.“

Auch der Blick nach außen ist für ein effektives Risikomanagement unerlässlich – jedoch beschäftigen sich viele Organisationen nur im geringen Ausmaß mit externen Entwicklungen. 26,6 Prozent analysieren externe Entwicklungen nicht ausreichend, 21,9 Prozent berücksichtigen langfristige Entwicklungen nur unzureichend.

Gerhard Pichler, Managing Partner von Business Circle, ergänzt:

„Die Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Agilität und Resilienz der Unternehmen und der tatsächlichen Implementierung dieser Prinzipien in das Risikomanagement zeigt, dass es noch viel Potenzial für Verbesserungen gibt. Unternehmen müssen erkennen, dass Agilität und Resilienz nicht nur Buzzwords sind, sondern fundamentale Prinzipien sind.“

Mangelnde Datennutzung bremst Risikomanagement und nachhaltige Entwicklung

Viele Unternehmen haben gar nicht die nötige Datenbasis: 28,1 Prozent empfinden ihre Daten als nicht ausreichend, bei 35,9 Prozent fehlen Echtzeitdaten und 28,2 Prozent sehen Schwächen in der Datenvernetzung.

Selbst vorhandene Daten werden nur begrenzt genutzt (39,4 % vollständig, 36,8 % teilweise).

Besonders kritisch: Nachhaltigkeitsdaten fehlen bei 28,1 % und Umweltdaten bei 43,8 %.

Zudem nutzen 32,8 % der Unternehmen vorhandene Nachhaltigkeitsdaten kaum.

Download Risikomanagement Studie 2024 In Corporates