In Österreich wurden bereits 64 Prozent der Online-Shops mit Betrug oder Betrugsversuchen konfrontiert. Betrachtet man die Entwicklung der letzten zwölf Monate, berichten 46 Prozent der befragten österreichischen E-Commerce-Unternehmen von weiter gestiegenen Betrugsrisiken. Für 42 Prozent der Shops ist die Entwicklung der Betrugsfälle auf hohem Niveau gleichgeblieben, lediglich 12 Prozent verzeichnen weniger Betrugsfälle als im Vorjahr. Grundlage der folgenden Ergebnisse ist die aktuelle Umfrage "Betrug im E-Commerce" des Handelsverbands Österreich und von CRIF, an der knapp 100 österreichische Online-Shops beteiligt waren.
Häufigste Betrugsformen: Bestreiten des Warenerhalts & falsche Namensdaten
Die häufigste betrügerische Praxis in Österreich ist laut Umfrage mit 51 Prozent das Bestreiten des Warenerhalts. Dahinter folgen verfälschte Namens-/Adressdaten (49 Prozent) und der Identitätsbetrug (43 Prozent), bei dem sich ein Kunde als eine andere reale Person ausgegeben hat. Ebenfalls stark vertretene Betrugsformen sind die Angabe gestohlener Zahlungsdaten (42 Prozent) sowie Eingehungsbetrug (32 Prozent). Dabei bestellt der Käufer, obwohl er bereits weiß, dass er die Rechnung nicht begleichen kann oder will, und die Ware dennoch ausgeliefert wird.
Weniger häufig genannt werden das Abstreiten der Bestellung (21 Prozent), die Angabe einer vollständig falschen Identität (19 Prozent), Account‑Takeover‑Angriffe (17 Prozent) sowie die Nutzung fiktiver Zahlungsdaten (13 Prozent).
Investitionen in Sicherheit: Teuer wird es, wenn man nicht investiert!
„Fast zwei Drittel der Onlineshops in Österreich waren bereits von Betrug im Netz betroffen. Das Risiko kann also gar nicht hoch genug eingestuft werden. Investitionen in die Sicherheit sind daher nicht zu teuer. Teuer kann es werden, wenn man nicht investiert“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des freien, überparteilichen Handelsverbands.
„Online‑Shops sollten besonders aufmerksam sein, Identitäts‑ und Zahlungskontrollen verstärken und ihre Betrugspräventionsstrategien überprüfen, um das Umsatzpotenzial nicht durch Verluste zu gefährden. Betrugsprävention ist heute wichtiger denn je: Wer einen Online‑Shop betreibt, muss in vielen Fällen damit rechnen, Opfer von Betrug zu werden“, kommentiert Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von CRIF Österreich, die aktuellen Umfrageergebnisse.
Zehn Prozent der Online-Shops mit Schäden zwischen 50.000 € und 100.000 €
Die aktuelle Umfrage verdeutlicht die erhebliche wirtschaftliche Tragweite von Betrugsfällen im österreichischen E-Commerce. Zwar halten sich die Schäden für die Mehrheit der Unternehmen in Grenzen: 62 Prozent beziffern ihre jährlichen Verluste auf weniger als 5.000 Euro, weitere 22 Prozent liegen im Bereich zwischen 5.000 und 10.000 Euro.
Deutlich gravierender fallen jedoch die Angaben jener Unternehmen aus, die stärker betroffen sind. Sechs Prozent der Befragten berichten von jährlichen Verlusten zwischen 10.000 und 50.000 Euro durch betrügerische Aktivitäten. Besonders alarmierend ist, dass rund zehn Prozent sogar Schäden von bis zu 100.000 Euro pro Jahr melden. Diese Zahlen machen deutlich: Betrug im E-Commerce ist keineswegs ein Randphänomen. Für einzelne Händler nimmt er ein Ausmaß an, das nicht nur die Profitabilität, sondern im Extremfall sogar die wirtschaftliche Existenz bedrohen kann.
Hälfte der österreichischen Online‑Händler setzt auf Maßnahmen zur Betrugserkennung
„Viele Händler mussten bereits erhebliche finanzielle Einbußen durch organisierten Betrug hinnehmen. Die Methoden der Täter werden dabei immer professioneller. Künstliche Intelligenz und synthetische Identitäten werden die Betrugsaktivitäten künftig zusätzlich verschärfen. Unsere Ergebnisse verdeutlichen zudem, dass neben Identitäts‑ und Datenmanipulation zunehmend streitige Konstellationen rund um Lieferung und Empfang an Bedeutung gewinnen – ein klarer Hinweis auf die Relevanz belastbarer Proof‑of‑Delivery‑Prozesse und transparenter Belegketten im Fulfillment“, bestätigt Anca Eisner-Schwarz.
Um sich effektiv vor Betrug zu schützen, setzen immer mehr Online-Händler auf automatisierte Risk-, Ident- und Fraud-Prevention-Lösungen. Laut der Studie führen 50 Prozent der österreichischen Online-Shops bereits Maßnahmen zur Betrugserkennung durch. Weitere 17 Prozent planen aktuell entsprechende Schritte, um sich künftig besser abzusichern. Auf die Frage, wie Unternehmen ihre Betrugserkennungsmaßnahmen umsetzen, gaben 61 Prozent an, eine Kombination aus manuellen und automatisierten Verfahren zu nutzen. 24 Prozent setzen noch ausschließlich auf manuelle Prozesse, während bereits 15 Prozent vollständig automatisierte Lösungen verwenden.
„Allen Webshops, die in Österreich richtig durchstarten wollen, kann ich E-Commerce-Gütesiegel wie das Trustmark Austria des Handelsverbands wärmstens empfehlen. Gütesiegel stehen für Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit. Sie stellen für Konsument:innen eine wichtige Orientierungshilfe dar, um auf einen Blick vertrauenswürdige Anbieter erkennen zu können“, so Handelssprecher Rainer Will abschließend.
Über die Studie "Betrug im E-Commerce"
Ziel der Umfrage ist es, aktuelle Entwicklungen und Erfahrungen im Bereich Online-Betrug zu erfassen und der Branche wertvolle Erkenntnisse für die Prävention bereitzustellen. An der Umfrage nahmen 99 Händler aus ganz Österreich teil. Die Umfrage lief vom 28.11.2025 bis zum 7.1.2026.