Branchenreport Industrie: Oberösterreich als Firmenhauptsitz bevorzugt

Zu Beginn des heurigen Jahres hat die Wirtschaftsauskunftei CRIF Österreich erstmals einen Blick auf die heimische Industriebranche geworfen und liefert im „Branchenreport Industrie“ einen Überblick über die wesentlichen Aspekte. Ermittelt wurden sowohl die Anzahl der Neugründungen als auch Insolvenzen der Jahre 2013 bis 2017, die Eigenkapitalausstattung der österreichischen Industrieunternehmen in den neun Bundesländern sowie die bevorzugten Firmenstandorte.

2017 entfielen 4,0 % der österreichweiten Neugründungen auf Industrieunternehmen. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Rückgang von ca. 14,9 %. Den höchsten Anstieg gab es von 2015 auf 2016 (ca. 5,7 %) – im Fünfjahresvergleich war 2016 auch das stärkste Jahr: Damals lag der Anteil der neugegründeten Industrieunternehmen bei 4,3 %.

Abb. 1: Anteil der Unternehmensgründungen in der Industriebranche an der Gesamtanzahl der österreichweiten Unternehmensgründungen

Die Bundesländer Oberösterreich (21,6 %) und Niederösterreich (18,2 %) befinden sich 2017 – wie auch schon im Jahr zuvor – weiterhin an der Spitze des Bundesländerrankings, dort wurden am häufigsten neue Industriebetriebe gegründet. Ihnen folgen die Steiermark
(14,3 %), Wien (11,5 %) und Tirol (10,2 %).  Die Schlusslichter bilden Vorarlberg (3,9 %) und das Burgenland (3,3 %).

Die aktuelle Erhebung von CRIF zeigt, dass bei den Insolvenzen im Fünfjahresvergleich ein eindeutiger Trend erkennbar ist: Von 2013 bis 2017 gingen die Insolvenzen in der heimischen Industriebranche sukzessive zurück. Von 2016 auf 2017 war sogar ein Rückgang von rund
24 % zu verzeichnen. Die meisten insolventen Industrieunternehmen gab es im vergangenen Jahr in Niederösterreich (23,8 %) und Oberösterreich (18,3 %), wo aber auch die meisten Neugründungen zu verzeichnen waren. Wien (16,8 %) befindet sich auf Platz 3 im Ranking. Die westlichen Bundesländer Tirol (3,9 %) und Vorarlberg (3,5 %) haben am wenigsten insolvente Industriebetriebe aufzuweisen.

 „Auch wenn unterm Strich im Jahr 2017 weniger Industrieunternehmen als im Vorjahr gegründet wurden, erlebt Österreichs Industrie im Moment eine klassische Hochkonjunktur. So entwickelt sich hierzulande derzeit kein anderer Wirtschaftsbereich dynamischer. Auch im internationalen Vergleich ist Österreich ein höchst wettbewerbsfähiger Industriestandort. Das stimmt auch für das Jahr 2018 optimistisch“, so Boris Recsey, Geschäftsführer CRIF Österreich. 

Starke Eigenkapitalausstattung bei österreichischen Industrieunternehmen

Im Rahmen der Erhebung hat CRIF die bis Anfang 2018 eingereichten Bilanzen der Jahre 2016 und 2015 verglichen. Österreichs Industrieunternehmen verfügen insgesamt über eine positive Eigenkapitalausstattung, die im Jahresvergleich über fast alle Bundesländer (Ausnahme: Salzburg und Wien) hinweg sogar leicht gestiegen ist. Auch wenn Salzburg im Vergleich von 2015 auf 2016 einen leichten Rückgang von ca. 0,2 % aufweist, bleibt es das Bundesland mit der stärksten Median-Eigenkapitalquote (ca. 41,1 %). Danach sind die oberösterreichischen Betriebe am besten mit Eigenkapital ausgestattet (ca. 39,4 %, Anstieg um ca. 0,6 %), gefolgt von Unternehmen aus Wien (ca. 38,9 %, Rückgang um ca. 0,2 %), Vorarlberg (ca. 38,9 %, Anstieg um ca. 3 %) und Kärnten (ca. 38,9 %, Anstieg um ca. 4 %). Die Schlusslichter bilden das Burgenland (ca. 34,2 %, Anstieg um ca. 2 %) und die Steiermark (ca. 33,0 %, Anstieg um ca. 1 %).  

Ober- und Niederösterreich als Firmenstandorte sehr beliebt

Die Bundesländer Ober- und Niederösterreich zählen zu den beliebtesten Standorten für heimische Industrieunternehmen. Die Erhebung von CRIF zeigt, dass die meisten Industriebetriebe Oberösterreich (ca. 20,3 %) als Firmenhauptsitz bevorzugen. Es folgen die Bundesländer Niederösterreich (ca. 18,1 %) und die Steiermark (ca. 14,5 %), auf den weiteren Plätzen befinden sich Wien (ca. 11,8 %), Tirol (ca. 9,7 %), Salzburg (ca. 8,6 %) und Kärnten (ca. 7,4 %). Am wenigsten attraktiv als Industriestandort sind Vorarlberg (6,2 %) und das Burgenland (3,4 %).

„Oberösterreich ist Österreichs führende Industrieregion, die durch eine starke Dynamik und wirtschaftliche Stabilität gekennzeichnet ist. Rund ein Viertel der österreichischen Industrieproduktion und der Exporte wird von oberösterreichischen Unternehmen erwirtschaftet“, so Recsey. „Gründe für die hohe Ansiedelung von Industrieunternehmen sind vor allem die zentrale Lage in Österreich, die unmittelbare Nachbarschaft zu Deutschland und Tschechien sowie die gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur.“

Abb. 2: Anteil der Firmensitze in der Industriebranche nach Bundesland

 

Über die Studie

Als Berechnungszeitraum für Insolvenzen und Gründungen wurde der Zeitraum von 01.01.2013 bis 31.12.2017 (Datenstand 24.01.2018) herangezogen. Für alle anderen Berechnungen wurden jene Firmen berücksichtigt, welche zum 24.01.2018 aktiv waren. Ausgenommen wurden ausländische Firmen sowie ausländische Rechtsformen. Die Berechnung der Eigenkapitalquote basiert auf der jeweils aktuellsten eingemeldeten Bilanz eines Unternehmens, wobei als Rechtsform nur GmbHs und AGs berücksichtigt wurden. Alle Angaben ohne Gewähr.

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