Branchenreport Handel: Rückgang bei Insolvenzen

Die Wirtschaftsauskunftei CRIF hat auch heuer wieder eine Erhebung zur heimischen Handelsbranche durchgeführt und präsentiert im „Branchenreport Handel“ einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse. Ermittelt wurden sowohl die Anzahl der Neugründungen als auch Insolvenzen der Jahre 2013 bis 2017, die Eigenkapitalausstattung der Handelsunternehmen in den neun Bundesländern sowie die bevorzugten Firmenstandorte in Österreich.

Ein interessantes Ergebnis der Erhebung zeigt bereits die Entwicklung der österreichischen Neugründungen im Bereich Handel: Während in den Jahren von 2013 bis 2016 ein fortwährender Anstieg zu verzeichnen war, gab es im vergangenen Jahr einen deutlichen Rückgang an neu gegründeten heimischen Handelsunternehmen. Waren es 2016 noch
18,0 % der österreichweiten Neugründungen, die auf Handelsbetriebe entfielen, zeigt das Jahr 2017 nur noch einen Anteil von 16,1 %.

Abb. 1: Anteil der Unternehmensgründungen in der Handelsbranche an der Gesamtanzahl der österreichweiten Unternehmensgründungen

Die meisten Neugründungen im Bereich Handel erfolgten 2017 in den Bundesländern Wien (20,5 %), Niederösterreich (19,8 %) und Oberösterreich (17,0 %). Ihnen folgen die Steiermark (15,3 %), Kärnten und Tirol (beide mit 6,8 %) sowie Salzburg (5,9 %). Wie auch schon im Jahr 2016 bilden Vorarlberg (4,4 %) und das Burgenland (3,3 %) die Schlusslichter im Bundesländerranking.

Auch im Bereich Insolvenzen zeigt sich eine erfreuliche Tendenz: Während in den Jahren 2013 auf 2014 die Anzahl der Insolvenzen in der Handelsbranche zunahm (+ 5,5 %), ist in den vergangenen drei Jahren (2015 bis 2017) ein deutlicher Rückgang zu erkennen. Die Erhebung von CRIF zeigt, dass von 2016 auf 2017 die Anzahl der gemeldeten Insolvenzen bei österreichischen Handelsbetrieben um rund 12,5 % gesunken ist. Die Bundesländer mit der höchsten Insolvenzrate im Bereich Handel sind aber auch 2017 weiterhin Wien (27,6 %), Niederösterreich (21,0 %) sowie Oberösterreich (15,6 %). Die wenigsten Insolvenzen gab es in Vorarlberg (3,5 %) und dem Burgenland (3,4 %).

 „Wenn auch im letzten Jahr weniger Handelsunternehmen als in den Jahren zuvor gegründet wurden, ist und bleibt die Handelsbranche für die österreichische Wirtschaft enorm wichtig. Die Branche ist sehr dynamisch und durch einen hohen Konzentrationsgrad im Einzelhandel geprägt. Neben dem Einzelhandel weist auch der Onlinehandel kontinuierlich ein starkes Umsatzwachstum auf – Tage wie der Black Friday oder Cyber Monday am Ende des Jahres setzen hier zusätzlich starke Impulse“, so Boris Recsey, Geschäftsführer CRIF Österreich. 

Anstieg der Median-Eigenkapitalquote in fast allen Bundesländern

Die Erhebung von CRIF zeigt weiter, dass Österreichs Handelsunternehmen insgesamt mit einer positiven Eigenkapitalquote ausgestattet sind. Der Bundesländervergleich der bis Anfang 2018 eingereichten Bilanzen der Jahre 2016 und 2015 hat ergeben, dass – bis auf das Burgenland – alle Bundesländer einen Anstieg der Median-Eigenkapitalquote verzeichnen konnten. Die Betriebe mit der besten Eigenkapitalausstattung im Handel haben ihren Sitz – wie auch schon im Jahr 2015 – in den westlichen Bundesländern Vorarlberg (40,8 %) und Tirol (36,7 %), gefolgt von Oberösterreich (40,0 %) sowie Kärnten (32,4 %) und Salzburg (32,3 %). Im guten Mittelfeld nehmen Niederösterreich (31,9 %) und die Steiermark (30,2 %) ihre Plätze ein, die Schlusslichter bilden Wien (30,1 %) und nur knapp dahinter, auf dem letzten Platz, das Burgenland, das einen Rückgang der Eigenkapitalquote von rund 2 % verzeichnen musste (2016: 30,1 %; 2015: 32,3 %).

„Insgesamt stehen die österreichischen Handelsunternehmen auf einer soliden Kapitalbasis. Das ist besonders für eine so dynamische Branche wie den Handel ein wichtiger Parameter, denn je höher die Eigenkapitalquote, desto stabiler und kreditwürdiger auch das Unternehmen. Gerade wenn es darum geht zu expandieren oder in neue Betriebsmittel zu investieren, sind jene Unternehmen, die über viel Eigenkapital verfügen, klar im Vorteil“, so Recsey.  

Niederösterreich und Wien sind beliebteste Firmenstandorte

Österreichische Handelsunternehmen haben ihren Firmensitz vermehrt in Niederösterreich (20,2 %) und Wien (19,9 %). Jedoch auch die Bundesländer Oberösterreich (16,6 %), Steiermark (13,7 %), Tirol (8,2 %) sowie Salzburg (7,2 %) sind attraktiv. Auf den letzten Plätzen befinden sich Kärnten (6,7 %), Vorarlberg (4,3 %) und das Burgenland (3,1 %).

Abb. 2: Anteil der Firmensitze in der Handelsbranche nach Bundesland

 

Über die Studie

Als Berechnungszeitraum für Insolvenzen und Gründungen wurde der Zeitraum von 01.01.2013 bis 31.12.2017 (Datenstand 24.01.2018) herangezogen. Für alle anderen Berechnungen wurden jene Firmen berücksichtigt, welche zum 24.01.2018 aktiv waren. Ausgenommen wurden ausländische Firmen sowie ausländische Rechtsformen. Die Berechnung der Eigenkapitalquote basiert auf der jeweils aktuellsten eingemeldeten Bilanz eines Unternehmens, wobei als Rechtsform nur GmbHs und AGs berücksichtigt wurden. Alle Angaben ohne Gewähr.

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