Studie: Leichte Verbesserung der Zahlungsmoral österreichischer Unternehmen

Wien, 27. August 2018: Laut einer Erhebung der Wirtschaftsauskunftei CRIF Österreich hat sich das Zahlungsverhalten der österreichischen Unternehmen von 2016 auf 2017 leicht verbessert. Der Anteil der Firmen mit eröffneten Inkassofällen ist im Erhebungszeitraum von 3,78 % auf 3,75 % zurückgegangen. Über die beste Zahlungsmoral verfügen Tiroler Unternehmen.

Bei 3,08 % der Tiroler Betriebe wurden im Jahr 2017 Inkassofälle eröffnet – das ist ein Rückgang um 0,08 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Ähnlich positiv sind Unternehmen aus Vorarlberg (3,09 %). Im Mittelfeld des Bundesländerrankings liegen Burgenland (3,43 %), Oberösterreich (3,47 %), Niederösterreich (3,76 %) und Salzburg (3,78 %). Wie bereits im vorangegangenen Jahr bildet auch 2017 Wien das Schlusslicht
(5,12 %), gefolgt von Kärnten (4,22 %) und der Steiermark (3,82 %).

„Im Durchschnitt gibt es pro österreichischem Unternehmen 1,45 eröffnete Inkassofälle. Das bedeutet, dass die heimischen Betriebe grundsätzlich verlässliche Geschäftspartner sind und Rechnungen in den meisten Fällen zeitnah bezahlen“, erklärt Boris Recsey, Geschäftsführer von CRIF Österreich.

Hin und wieder gibt es aber auch Ausnahmen: So wurden in Kärnten bei einer einzigen Firma 22 Inkassofälle eröffnet. Der höchste Betrag eines im Jahr 2017 eröffneten Inkassofalls liegt bei über 8 Millionen Euro.

Handel mit den meisten Inkassofällen

CRIF hat in der Erhebung auch die drei Branchen Bau, Handel und Gastronomie verglichen, wo es erfahrungsgemäß zu den meisten Zahlungsausfällen kommt. Das Ergebnis: Der durchschnittliche Mahnbetrag betrug 2017 zwischen 800 und 1.400 Euro. Wie bereits 2016 wurden auch 2017 die meisten Inkassofälle im Handel eröffnet, gefolgt von der Gastro- und der Baubranche. Die schlechteste Zahlungsmoral haben bei diesem Branchenvergleich Gastronomiebetriebe in Wien, wo der Anteil der Firmen mit eröffneten Inkassofällen bei
10,08 % liegt. Im Negativranking folgen Bauunternehmen in Wien (9,42 %) und Gastronomiebetriebe in Kärnten (8,53 %). Im Gegensatz dazu sind Vorarlberger Bauunternehmen am vorbildlichsten, wenn es um die fristgerechte Zahlung offener Rechnungen geht – hier gibt es mit 3,72 % die wenigsten Unternehmen mit eröffneten Inkassofällen.

Trend setzt sich im ersten Halbjahr 2018 fort

Ein Blick auf das erste Halbjahr 2018 zeigt, dass sich die Entwicklung aus 2017 auch heuer fortsetzt: So befinden sich im Bundesländervergleich Tiroler (1,54 %) und Vorarlberger Unternehmen (1,57 %) abermals auf Platz 1 und 2. Wiener Unternehmen verfügen hingegen wieder über die schlechteste Zahlungsmoral (2,90 %). Platz 3 wird – anders als 2017 – aktuell von Oberösterreich (1,80 %) eingenommen. Dahinter folgen das Burgenland (1,94 %), Niederösterreich, Salzburg und die Steiermark (jeweils 2,13 %) sowie Kärnten (2,19 %).

Im Branchenvergleich waren es im ersten Halbjahr 2018 Wiener Bauunternehmen, die das schlechteste Zahlungsverhalten an den Tag legten. Der Anteil der Firmen mit eröffneten Inkassofällen lag hier bei 5,61 % – Wiener Gastronomiebetriebe folgen knapp dahinter
(5,57 %). Positivbeispiel sind wieder Bauunternehmen in Vorarlberg (1,76 %).

„Auch wenn die Zahlungsmoral der österreichischen Unternehmen insgesamt als positiv bewertet werden kann, ist niemand vor einer finanziellen Notlage gefeit, wenn beispielsweise Geschäftskunden offene Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlen und es somit zu Liquiditätsengpässen kommt. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich vorausschauend gegen etwaige Risiken und Krisen zu rüsten. Hierfür raten wir, sich eine dicke Eigenkapitaldecke zuzulegen und sich vor Geschäftsabschluss genau über die finanzielle Situation seines Gegenübers zu informieren“, so Recsey abschließend.

 

Über die Erhebung

Alle erhobenen Zahlungsrückstände beziehen sich auf Rechnungen, die im Zeitraum von Jänner 2017 bis Dezember 2017 bzw. von Jänner 2018 bis Juni 2018 an Inkassobüros übergeben wurden. Mahnungen oder Zahlungsverzögerungen werden von CRIF nicht erfasst und fließen daher auch nicht in die Bewertung des Zahlungsverhaltens mit ein. Verglichen wurden die Unternehmen nach Bundesländern sowie den Risiko-Branchen Bau, Handel und Gastronomie. Für die Branchenzuordnung wurde die Hauptbranche verwendet. Alle Angaben ohne Gewähr.

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