Studie zum Weltfrauentag: Frauen gründen mehr Einzelunternehmen als Männer

Wien. Die Wirtschaftsauskunftei CRIF Österreich hat sich den Internationalen Frauentag am 8. März zum Anlass genommen, um einen Blick hinter die Kulissen der österreichischen Gründerszene zu werfen und zu erheben, wie viele Unternehmen im Jahr 2016 von Frauen gegründet wurden. Wie bereits 2015 hatten auch im Vorjahr Frauen bei der Gründung von Einzelunternehmen die Nase vorne.

Im vergangenen Jahr wurden in Österreich insgesamt rund 98.500 Einzelunternehmen und 18.500 Gesellschaften mit beschränkter Haftung gegründet. Mehr als die Hälfte (55,6 %) der Einzelunternehmen wurden dabei von Frauen gegründet – bei den GmbHs lag der Anteil der gegründeten Unternehmen mit Frauen in der Geschäftsführung bei 18,5 %. Im Vergleich zum Jahr 2015 stieg die Anzahl der von Frauen neu gegründeten Einzelunternehmen um 0,09 % leicht nach oben.
„Wenn man alle Rechtsformen zusammennimmt, sind Frauen unter den Gründern nach wie vor in der Minderheit auch wenn es natürlich erfreuliche Neuigkeiten sind, dass die Zahl der weiblich gegründeten Einzelunternehmen erneut leicht angestiegen ist“, so CRIF Österreich Geschäftsführer Boris Recsey. „Die Entscheidung für eine Selbstständigkeit fällt in den meisten Fällen erst nachdem eine Ausbildung absolviert, Berufserfahrung gesammelt oder vielleicht sogar eine Familie gegründet wurde – immerhin liegt das Durchschnittsalter der österreichischen Gründerinnen bei 41 Jahren.“

Gründungsfreundlichstes Klima in Niederösterreich

Der Bundesländervergleich zeigt, dass – so wie im Jahr zuvor – die Niederösterreicherinnen am gründungsfreudigsten waren. So wurden hier 2016 rund 6.290 von Frauen gegründete Einzelunternehmen in das Firmenbuch eingetragen. Das ist im Vergleich zu 2015 ein leichter Anstieg um 0,08 %.  Auf Platz 2 folgt die Steiermark mit rund 5.050 Neugründungen und einem Zuwachs von 5 % im Vergleich zum Vorjahr. Obwohl Wien jenes Bundesland ist, wo am dritthäufigsten Einzelunternehmen von Frauen gegründet wurden, ist die Tendenz leicht rückläufig (-6,8 %). Den prozentuell höchsten Anstieg bei Neugründungen durch Frauen gab es in Kärnten (+6 %), den größten Rückgang hingegen in Vorarlberg (-13 %).

Gründungen vornehmlich in traditionellen Frauendomänen

Der aktuellen CRIF-Erhebung zufolge wagen Frauen vermehrt in traditionell stark weiblich besetzten Branchen den Schritt in die Selbstständigkeit. So gab es 2016 die meisten der von Frauen gegründeten Einzelunternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen, wo rund 12.450 Gründungen verzeichneten wurden. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um
3,99 %. Mit einem großen Abstand folgen danach der Handel mit rund 4.260 Neugründungen (+7,71 %) sowie der Bereich sonstiger Dienstleistungen mit rund 3.110 durch Frauen gegründeten Einzelunternehmen (+0,99 %).

„Das Gesundheits- und Sozialwesen ist weiblich dominiert. Hier arbeiten nicht nur immer mehr Frauen, es ist auch jener Bereich mit den meisten weiblichen Führungskräften. So gesehen liegt es auf der Hand, dass es hier die meisten Gründungen durch Frauen gibt. Die starke Tendenz zu Gründungen mit sozialem Aspekt lässt auch vermuten, dass es Frauen wichtig ist, einer erfüllenden Arbeit nachzugehen und der Profit nicht so sehr im Vordergrund steht“, interpretiert Recsey.

Längere Lebensdauer von weiblich gegründeten Unternehmen

Tendenziell haben jene Einzelunternehmen, die von Frauen gegründet wurden, eine längere Lebensdauer als jene, die von Männern gegründet wurden: So bestanden Einzelunternehmen, die im Jahr 2006 von Frauen gegründet wurden, im Durchschnitt 2.176 Tage – also knapp 6 Jahre. Im Vergleich zu den männlich gegründeten Unternehmen bedeutet dies eine um über ein Jahr (431 Tage) längere Lebensdauer. 2007 von Frauen ins Leben gerufene Unternehmen hatten eine Bestandsdauer von 1.702 Tagen (1.581 Tage bei männlich gegründeten Firmen).
Recsey abschließend: „Der Unternehmensgeist und der Mut von selbstständigen Frauen muss weiter gefördert werden, um den Anteil weiblicher Gründerinnen kontinuierlich ausbauen zu können.“

Über die Studie
Alle Einzelunternehmen, die vom 01.01.2016 bis zum 31.12.2016 gegründet wurden, wurden für die Auswertung berücksichtigt. Zu diesen Firmen wurden die Geschlechter der Inhaber herangezogen, welche zum Zeitpunkt der Auswertung aktiv waren. Für die Ermittlung der Lebensdauer der Einzelunternehmen wurden hingegen jene protokollierten EUs in Betracht gezogen, die zwischen dem Tag der Gründung und dem Erhebungsstichtag aus dem Firmenbuch gelöscht wurden. Inaktive Firmen oder Gewerbescheine, die auf ruhend gestellt wurden, wurden in dieser Berechnung nicht berücksichtigt.

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