Studie: Tirol führt bei weiblichen Führungskräften im Beherbergungs- und Gastronomiesektor

Wien. Die Wirtschaftsauskunftei CRIF Österreich hat in einer aktuellen Erhebung einen genauen Blick auf unterschiedliche Aspekte der österreichischen Beherbergungsbranche und Gastronomie geworfen. Ermittelt wurde sowohl die Anzahl an Neugründungen als auch Insolvenzen der Jahre 2016 und 2015, die Eigenkapitalausstattung der Betriebe in den neun Bundesländern, die beliebtesten Standorte sowie die Anzahl der weiblichen Führungskräfte.

Zwischen 1. Jänner und 31. Dezember 2016 wurden in Österreich rund 4.000 Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe gegründet – der Großteil davon als Kleinunternehmen. Das ist ein Rückgang um 3% im Vergleich zum Vorjahr, wo insgesamt rund 4.100 Betriebe gegründet wurden. Im Bundesländervergleich waren im Jahr 2016 die Wiener mit 23 % der Neugründungen führend, gefolgt von den Niederösterreichern (15 %) sowie den Steirern (14 %). Die Schlusslichter bildeten Vorarlberg (4 %) und das Burgenland (3 %). Demgegenüber standen rund 800 eröffnete Insolvenzverfahren – ein Rückgang um 11 % verglichen mit dem Jahr 2015. 30,6 % der Insolvenzen entfielen dabei auf Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe mit Sitz in Wien.
„Österreich ist ein Tourismusland, der Tourismus ist einer unserer bedeutendsten Wirtschaftszweige. In kaum einem anderen Land der Welt sind die Tourismuseinnahmen so hoch wie in Österreich. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen, gut angebundenen Übernachtungs- und Gastronomieangeboten steigt daher kontinuierlich”, so Boris Recsey, Geschäftsführer CRIF Österreich.

Positive Eigenkapitalausstattung der Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe

Die österreichischen Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe verfügten im Untersuchungszeitraum insgesamt über eine positive Eigenkapitalausstattung. Ein Ost-West-Gefälle war aber dennoch erkennbar: Vorarlberg belegte mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote der dortigen Betriebe von rund 25 % im Bundesländerranking den ersten Platz, gefolgt von Salzburg mit 21 % und Kärnten mit 18,1 % während Wien mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote der dortigen Betriebe von 4,2 % das Schlusslicht bildete.
„Im Vergleich zu Handels- und Bauunternehmen hat die Beherbergungs- und Gastronomiebranche die geringste durchschnittliche Eigenkapitalquote. Gerade für den Tourismus, der saisonalen Schwankungen unterliegt, stark von Klima- und Wetterverhältnissen abhängig ist und hohe Investitionen tätigt, ist es wichtig, sich vorausschauend gegen etwaige Risiken und Krisen zu rüsten“, empfiehlt Recsey.

Tirol und Wien sind begehrteste Standorte

32,3 % der österreichischen Großbetriebe aus dem Beherbergungs- und Gastronomiebereich haben ihren Sitz in Wien, gefolgt von Niederösterreich und Oberösterreich (jeweils 16,1 %). Unabhängig von der Größe sitzen die meisten Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe in Tirol (18 %), gefolgt von Wien (16,2 %) und der Steiermark (13,7 %).
„Sowohl Wien als auch Tirol zählen zu den beliebtesten Destinationen ausländischer Touristen. Wien punktet vor allem durch sein riesiges Kunst- und Kulturangebot sowie seine Spitzengastronomie während sich Tirol vor allem während der Wintermonate bei Ski- und Snowboardern größter Beliebtheit erfreut”, erklärt Recsey.

Weibliche Führungskräfte in österreichischen Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben

Im Bundesländervergleich sitzen in den Tiroler Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben die meisten Frauen in Führungspositionen (18,5 %). Dahinter folgen die Steiermark (14,7 %) und Wien (14,3 %).
„Generell sind Frauen in den Chefetagen der heimischen Unternehmen – unabhängig von der Branche – noch immer unterrepräsentiert, dabei zeigen verschiedene Studien, dass Unternehmen mit einer Frau an der Spitze oft erfolgreicher sind als männlich geführte. Hier gibt es für Österreich auf jeden Fall noch einiges an Aufholbedarf. Im Gegensatz zu Handels- und Bauunternehmen überrascht aber gerade die geringe Frauenquote in der Beherbungs- und Gastronomiebranche“, so Recsey.


Über die Studie
Als Berechnungszeitraum für Insolvenzen und Gründungen wurde der Zeitraum von 01.01.2016 bis 31.12.2016 (Datenstand 23.01.2017) sowie von 01.01.2015 bis 31.12.2015 herangezogen. Für alle anderen Berechnungen wurden jene Firmen berücksichtigt, welche zum 31.12.2016 aktiv waren. Ausgenommen wurden ausländische Firmen sowie ausländische Rechtsformen. Die Berechnung der Eigenkapitalquote basiert auf der jeweils aktuellsten eingemeldeten Bilanz eines Unternehmens, wobei als Rechtsform nur GmbHs und AGs berücksichtigt wurden. Bei der Frage nach Frauen in Führungspositionen wurden jene Unternehmen herangezogen, in denen mindestens eine Frau zeichnungsberechtigt in der Geschäftsleitung sitzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

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