Studie: Mehr Gründungen, weniger Insolvenzen

Wien. Die Wirtschaftsauskunftei CRIF Österreich hat in einer aktuellen Erhebung einen genauen Blick auf unterschiedliche Aspekte der österreichischen Unternehmenslandschaft geworfen. Dabei zeigt sich, dass der aktuelle wirtschaftliche Aufschwung bereits Früchte trägt und es im ersten Halbjahr 2017 zu einem Plus an Unternehmensgründungen gekommen ist und im Gegensatz dazu die Anzahl jener Unternehmen, die Insolvenz anmelden mussten, deutlich zurückgegangen ist.

Rund 32.000 Unternehmen wurden im Untersuchungszeitraum zwischen 1. Jänner und 30. Juni 2017 in Österreich gegründet – das sind ca. 7 % mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. 99 % dieser Neugründungen waren Kleinunternehmen, d. h. ihr Gesamtumsatz liegt bei nicht mehr als 30.000 Euro netto pro Jahr.  Die meisten Firmen (24 %) wurden in Wien gegründet. Dahinter folgen Niederösterreich (19 %), die Steiermark (16 %) und Oberösterreich (14 %), während das Burgenland (4 %) und Vorarlberg (3 %) die Schlusslichter im Bundesländerranking bilden. Wie bereits 2016 gab es auch heuer wieder die meisten Gründungen im Gesundheits- und Sozialwesen (ca. 6.200), im Handel (ca. 5.100), im Bereich der freiberuflichen (ca. 2.900) sowie sonstigen (ca. 2.200) Dienstleistungen und in der Beherbergung und Gastronomie (ca. 1.900).

Den Gründungen standen im Untersuchungszeitraum rund 2.000 eröffnete Insolvenzverfahren gegenüber. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 ist das ein Rückgang um rund 20 %. Auch in risikobehafteten Branchen wie Handel (-12 %), Bau (-15 %) und Beherbergung und Gastronomie (-24 %) kam es zu deutlich weniger Insolvenzen. Den stärksten Rückgang gab es mit -37 % in der Informations- und Kommunikationsbranche.

Ebenfalls eine positive Bilanz zieht CRIF Österreich, wenn es um die Ausstattung der heimischen Unternehmen mit Eigenkapital geht: Demnach verfügten die Unternehmen in allen Bundesländern über eine positive Eigenkapitalquote, die im Durschnitt zwischen     30,3 % (Burgenland) und 42,2 % (Vorarlberg) lag.

„Österreichs Wirtschaft befindet sich im Aufschwung – Prognosen gehen von einem Wachstum von bis zu 2,2 % für das heurige Jahr aus. Getragen wird dieser Aufschwung von steigenden Exporten, einem wachsenden Konsum und den heimischen Unternehmen, die ihre Investitionen hochfahren“, so Boris Recsey, Geschäftsführer CRIF Österreich. „Die erfreuliche Entwicklung lässt sich auch gut am deutlichen Rückgang der im ersten Halbjahr eröffneten Insolvenzverfahren ablesen. Zudem ist die gute konjunkturelle Lage Motivation für viele Gründer, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.“

Wien, Ober- und Niederösterreich als gefragteste Unternehmensstandorte

CRIF hat darüber hinaus erhoben, in welchen Bundesländern die meisten Großunternehmen ihren Firmensitz haben: Rund 40 % sind in Wien angesiedelt, gefolgt von Oberösterreich (16,7 %) und Niederösterreich (11,8 %). Das Burgenland (1,6 %) bildet hier nach Kärnten (3,4 %) das Schlusslicht. „Wien ist vor allem für international agierende Großkonzerne ein attraktiver Standort und Drehscheibe nach Ost- und Südosteuropa. Aber auch Oberösterreich ist als Unternehmensstandort aufgrund der geografischen Lage, der guten Infrastruktur, der hohen Dynamik und der wirtschaftlichen Stabilität sehr gefragt. Niederösterreich ist ebenfalls Sitz vieler Headquarters und profitiert dabei stark durch die Vernetzung mit dem Wiener Wirtschaftsraum sowie anderen geografischen Vorteilen”, erklärt Recsey.

Im Branchenvergleich zeigt sich, dass – unabhängig von ihrer Größe – die meisten Unternehmen in Österreich dem Bereich sonstige Dienstleistungen zuzuordnen sind. Den größten Anteil in dieser Branchenkategorie nehmen die sonstigen Interessenvertretungen und Vereinigungen ein. Des Weiteren liegt die Anzahl der Bauunternehmen in allen Bundesländern jeweils zwischen 4 und 6 %, jene der Handelsfirmen zwischen 12 und 17 % und jene der Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe zwischen 4 und 9 %. Einzig im Tourismusland Tirol können 13 % aller Unternehmen der Gastronomie und Beherbergung zugeordnet werden. Das Burgenland wiederum sticht mit einer besonders großen Anzahl  (16 %) an Unternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen hervor.

Östliche Bundesländer besetzen mehr Führungspositionen mit Frauen

Was die Besetzung von Führungspositionen durch Frauen betrifft, haben die östlichen Bundesländer die Nase vorne: So sitzen im Bundesländervergleich hier mehr Frauen in Führungspositionen – nämlich bei 38 % der Unternehmen in Wien, bei 36 % der Unternehmen in Niederösterreich sowie bei 36 % der Unternehmen im Burgenland. In Tirol wiederum finden sich die wenigsten Frauen in den Chefetagen (28 %). Die CRIF-Erhebung zeigt außerdem, dass Frauen eher in traditionell stark weiblich besetzten Branchen an der Spitze stehen: In 7 von 9 Bundesländern führen Frauen am häufigsten ein Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen. „Obwohl Frauen so gut ausgebildet sind wie nie zuvor, sind sie in den Chefetagen immer noch unterrepräsentiert. Frauen bekommen nicht nur in Österreich, sondern auch in den anderen europäischen Ländern weniger Gehalt bei gleicher Leistung, haben schlechtere Aufstiegsmöglichkeiten und stoßen irgendwann an eine gläserne Decke. Zwar wird das Thema von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft immer ernster genommen, aber die bisher gesetzten Maßnahmen reichen noch nicht aus“, sagt Recsey.

Wirft man abschließend noch einen Blick auf das Alter der heimischen Führungskräfte, so werden Großunternehmen von den ältesten Chefinnen und Chefs geleitet. Das Durchschnittsalter liegt hier bei 47 Jahren. Die Führungskräfte von Kleinunternehmen sind hingegen im Schnitt nur 44 Jahre alt.

 

Über die Studie

Als Berechnungszeitraum für Insolvenzen und Gründungen wurde der 01.01.2017 bis 30.06.2017 herangezogen. Für alle anderen Berechnungen wurden jene Firmen berücksichtigt, welche zum 03.07.2017 aktiv waren. Ausgenommen wurden ausländische Firmen sowie ausländische Rechtsformen. Die Berechnung der Eigenkapitalquote basiert auf der jeweils aktuellsten eingemeldeten Bilanz eines Unternehmens, wobei nur als Rechtsform GmbHs und AGs berücksichtigt wurden. Bei der Frage nach Frauen in Führungspositionen wurden jene Unternehmen herangezogen, in denen mindestens eine Frau zeichnungsberechtigt in der Geschäftsleitung sitzt.

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