Optimierung von Kreditentscheidungen und leichter und effizienter Zugang zu Krediten - Wie ein neues Kreditbüro dabei hilft

Fast ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise stehen die Banken in Österreich und Europa noch immer vor vielen Problemen. Einige Institute haben die Herausforderungen bereits angenommen: Radikale Optimierung der Kostenstruktur, Durchführung von Konsolidierungsmaßnahmen, Neuausrichtung der Geschäftsmodelle – Stichwort Digital Lending. Ein weiterer ausschlaggebender Faktor in einem hart umkämpften Markt ist ein schlanker Kreditvergabeprozess, der ein schnelles Time-to-yes ermöglicht. Die Schnelligkeit der Kreditentscheidung wird dabei maßgeblich von der Qualität der zur Verfügung stehenden Informationen beeinflusst.

Auf welche neuen Lösungen der österreichische Bankensektor hier zurückgreifen kann, erklärt uns Mag. Christoph Mammerler, MBA, Business Development Manager DACH bei der Wirtschaftsauskunftei CRIF, im Interview.

Um ihre Kreditentscheidungen zu optimieren, greifen Banken in Österreich auch auf jene Informationen zurück, die in einem sogenannten Kreditbüro gesammelt und verwaltet werden. CRIF plant nun, ein zweites Kreditbüro ins Leben zu rufen und den Banken damit eine neue, alternative Lösung zu bieten. Welche Vorteile bringt das für den Markt?

Christoph Mammerler: CRIF betreibt Kreditbüros bereits in 23 Ländern, wobei wir in der überwiegenden Mehrheit der Länder in Konkurrenz zu anderen Anbietern stehen. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Wettbewerb dazu führt, die Anforderungen des Marktes letztendlich besser zu bedienen. Natürlich beginnen wir ein neues Projekt nur dort, wo wir zuversichtlich sind, den Kunden und Stakeholdern einen relevanten Mehrwert bieten zu können. In Bezug auf Österreich gibt es unserer Meinung nach noch genügend Platz für einen zweiten Player, vor allem wenn dieser, wie CRIF, auf umfangreiche internationale Erfahrung verweisen kann. In dem wir in unterschiedlichen geografischen Regionen, in verschieden großen Märkten, mit speziellen rechtlichen und geschäftlichen Anforderungen und unterschiedlichen Kreditgewohnheiten arbeiten, haben wir einen einzigartigen Zugang, wie wir uns neuen Projekten nähern.

Ist es möglich, den Zugang zu Krediten mit einem zweiten Kreditbüro zu erleichtern?

CM: Ein zweites Kreditbüro könnte zu einer Vielzahl von direkten und indirekten Verbesserungen beitragen: Verringerung der Datenasymmetrie, Verbesserung der Datengenauigkeit, die Möglichkeit, Lücken bei der Datenqualität zu schließen, Optimierung und Vereinfachung des Kreditantragsprozesses usw. Der österreichische Bankensektor kann von der Erfahrung von CRIF profitieren, wie man Prozesse zur Bewertung der Kreditwürdigkeit beschleunigt und effizienter gestaltet und damit direkte positive Effekte für den leichteren Zugang zu Krediten erzielt.

In welcher Art und Weise können die Finanzinstitute von einem zweiten Anbieter profitieren?

CM: Die Banken in Europa befinden sich derzeit in einer heiklen Phase. Aufgrund der Krise, die 2007/2008 begonnen hat, waren und sind die Zinssätze nahezu auf Null, wodurch das potenzielle Geschäftsvolumen der Finanzinstitute massiv reduziert wird. Allerdings sind die Kosten für Kredite und Customer Management nahezu unverändert hoch geblieben, was sich in weiterer Folge auf den Kreditmanagement-Prozess und die Margen des Kerngeschäfts auswirkt. Wir sehen unsere Lösung für ein Kreditbüro als ‚Value Added Service‘: So soll nicht nur im Moment des Kreditantrags eine Abfrage durchgeführt werden, sondern vielmehr im Laufe des gesamten Kundenlebenszyklus als Unterstützung bei jeder Art von Entscheidung, was unter anderem zu einer wesentlichen Kostenreduktion führt. Auch wenn CRIF bereits in einigen Ländern Kreditbüros betreibt, bieten wir keine ‚one-fits-all‘ Lösung an, sondern passen diese gemeinsam mit den Banken entsprechend an die lokalen Bedürfnisse an.

Können Sie uns konkrete Beispiele und Ergebnisse nennen?

CM: Sehr gerne nenne ich Ihnen drei Beispiele führender Retail Banken im europäischen Raum. Eine davon zählt zu den Gründerbanken des CRIF Banking Credit Bureaus in Tschechien und ist mittlerweile eine der aktivsten Nutzerinnen. Deren Angst, Marktanteile zu verlieren, ist nicht eingetreten. Heute werden die Daten des CB (Credit Bureau) nicht nur für die strategische Planung und Akquisition, sondern auch für Customer Management und Collection eingesetzt. Die Vorteile übersteigen die Projektkosten mittlerweile um den Faktor 1000: Reduktion von Ausfällen und Betrug, Steigerung der Dividenden- und Zinserträge durch Neugeschäfte und Senkung des Risikovorsorgebedarfs.
Auch das zweite Institut befürchtete einen Interessenskonflikt zwischen sinkenden Dividenden und dem Mehrwert aus der Kreditrisikoreduktion durch den Einsatz von Positivdaten. Mittlerweile setzt die Bank das komplette Lösungspaket des CRIF Banking Credit Bureaus ein, wodurch die Kreditrisikokosten um 2o% gesunken sind.
Das letzte Beispiel bezieht sich auf eine italienische Retail Bank, die dank der CB Daten die Verlustquote bei Ausfall (LGD) um 25%, die risikogewichteten Aktiva (RWA) um 20% und die erwarteten Verluste um 45% reduzieren konnte.

Können Sie uns bitte erklären, wie hoch die finanzielle Nachhaltigkeit solcher Projekte ist?

CM: Ohne über detaillierte Zahlen sprechen zu wollen, ist die Etablierung eines neuen Kreditbüros als langfristiges Projekt zu sehen. CRIF besitzt als zuverlässiger und dauerhafter Partner die notwendige finanzielle Stabilität nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Märkten, in denen wir außerdem zahlreiche Herausforderungen im Zusammenhang mit der finanziellen Entwicklung der lokalen Wirtschaft gelöst haben.

Auf welche Erfahrung kann CRIF in Bezug auf die Entwicklung, den Betrieb und die Weiterentwicklung von Kreditbüros verweisen?

CM: CRIF ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das sich auf Credit Bureaus, Business Information und Credit Solutions spezialisiert hat. 1988 in Bologna, Italien gegründet, ist CRIF mittlerweile auf vier Kontinenten präsent. CRIF GmbH ist in Österreich der führende Anbieter von Kreditrisikomanagement Lösungen, Fraud Prevention und Entscheidungsmanagement entlang des gesamten Kundenlebenszyklus.
Heute betreut CRIF das erste positive und negative Kreditbüro in Italien sowie die positiven und negativen Banken- und Nichtbanken-Kreditauskunfteien in Tschechien und der Slowakei. Darüber hinaus war es an der Entwicklung von Credit Bureaus u.a. in Marokko, Jordanien, VAE, Benin, Indien, Russland, Tadschikistan, Ungarn, Vietnam, Bangladesch, Indonesien, den Philippinen und Jamaika beteiligt. Bei diesen Projekten lag der Fokus nie auf der reinen Bereitstellung einer Software. Die Expertise von CRIF liegt in der Übersetzung der menschlichen Erfahrung, des Verständnisses und der Prozesse in eine professionelle Plattform und maßgeschneiderte Services.
Über 6.300 Banken und Finanzinstitute, 44.000 Geschäftskunden und eine riesige Anzahl von Konsumenten in 50 Ländern nutzen täglich die Lösungen von CRIF.

Vielen Dank für das Interview!

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